Bericht vom Frauenseminar vom 15.09. bis 17.09.2017

 

Endlich war es so weit. Am 15.09.17 fand unser Frauenseminar in Seifhennersdorf im Querxenland statt. Es nahmen 24 Frauen aus verschiedenen Freundeskreisen daran teil. Das beliebte Seminar stand in diesem Jahr unter dem Thema „Älter werden ist nichts für Feiglinge - Vom Sinn und Unsinn des Älterwerdens und Reifens“.

Zu Beginn des Seminars am Freitagabend legten wir in Gedenken an Barbara Blumenhagen eine Schweigeminute ein. Barbara ist am 28.08.2017 verstorben. Sie hat uns unerwartet und viel zu früh verlassen. In ihrer langjährigen Mitgliedschaft in der Frauengruppe Döbeln konnte sie viel aus ihrem Erfahrungsschatz weitergeben.

Danach stellten sich alle kurz vor und schrieben eine positive Sache des Älterwerdens auf ein Kärtchen und schmückten damit den in unserer Mitte stehenden Baum.

 

 

Auch dieses Jahr waren mehrere neue Gesichter in unserer Runde. Es gab noch einige organisatorische Hinweise. Zum Einstimmen auf den Abend und die Thematik wurde noch eine Geschichte vorgelesen. Beim Verlassen des Raumes spielte das Lied „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys und jede Teilnehmerin nahm sich eine Karte mit einem Spruch das Alter betreffend mit. Diese sollte dann am Sonntag wieder mitgebracht werden. Ein Abend mit vielen interessanten Gesprächen setzte sich in Gang.

Am Samstag wurde das Seminar fortgesetzt. Wir begrüßten voller Spannung Referentin Katrin Leithold Dipl. Sozialpädagogin aus Döbeln. Wir starteten mit einer kleinen Bewusstseinsübung.

Danach veranschaulichte uns Katrin wie viele Vorfahren in unserem Körper stecken, damit ja auch deren Erfahrung und Geschichte. Rechnet man die letzten 500 Jahre sind das 24 Generationen oder 17 Millionen Menschen in einer Einzigen von uns. Ein ganz schöner Erfahrungsschatz, der in uns ruht. Wir bestehen aber eben nicht nur aus Erfahrung, sondern aus Körper, Gefühl und Verstand.

 

 

Gerade auf das Alter bezogen werden wir oft eher erschreckend von den Medien beeinflusst. Selten sieht man da sportlich und gesellschaftlich aktive, fröhliche alte Menschen. Eher leidende Rentner in Pflege usw.

Gerade für uns als suchtbelastete Menschen ist Werbung mit vielfältigen Tabletten oder alkoholhaltigen, herzstärkenden Medizindrinks (Doppelherz mit 70 % Alkohol) genau der falsche Ansatz. Das bedeutet für eine suchtkranke reifende Frau noch mehr genau hinschauen. Auch wenn die Zipperlein hier und da stärker werden, sich nicht beirren lassen und genau darauf achten, was wir tun damit es uns gut geht und auch zu schauen was ein Arzt uns verschreibt.

Interessant dazu war auch das Beispiel an Studenten. Dabei wurden diese in 2 Gruppen eingeteilt und sahen sich einen Film an. Die eine Gruppe über gutgelaunte, Sport treibende Rentner und die andere Gruppe einen Film über pflegebedürftige Rentner die betreut werden müssen. Danach wurden beide Gruppen beim Gang zum Fahrstuhl beobachtet. Es ist sehr einleuchtend, das es da große Unterschiede gab. Die eine Gruppe ging aufrecht und gut gelaunt und die Andere mit hängenden Schultern und nachdenklich, traurig zum Fahrstuhl. Es bedarf keiner Aufklärung wer welchen Film gesehen hat. Fazit für uns, wir entscheiden womit wir uns beschäftigen und mit welchen Mitmenschen wir uns umgeben.

Katrin erklärte uns, das wir in Deutschland keine Jammerkultur haben. Es gibt Länder da werden negative Sachen erzählt und kurz darüber gejammert. Danach ist das Thema aber beendet. In Deutschland sieht dies anders aus. Jeder von uns kennt Menschen, die immer was zu jammern haben. Dann ist es gut, sich davon abzugrenzen und auch mal eine Freundschaft zu beenden. Wir sind dann etwas abgeschweift ob das auch bei Familienmitgliedern so einfach möglich ist. Auch da heißt es wieder Obacht, da gerade im Bereich Co abhängiger und suchtbelasteter Frauen, Harmonie und Helfersyndrom eine hohe Bedeutung haben. Da fällt das Abgrenzen nicht so leicht und es schwer zu akzeptieren das die Vorstellung der tollen Freundschaft oder der harmonischen Familie manchmal eben nur eine Illusion ist.

Abschließend zu Katrins Vortrag ist zu sagen, dass wir aus Körper, Gefühl und Verstand bestehen. Wenn wir unseren Verstand nutzen um positiv zu denken, dadurch viel Lachen, beeinflusst das den körperlichen Altersprozess. Und wir haben den Vorteil das wir das Zellgift Alkohol unserem Körper nicht mehr antun. Beste Voraussetzung damit Geist und Seele jung bleiben.

Nach einer Pause waren alle Frauen sehr gespannt, wie es nun am Nachmittag weiter geht. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, als verkündet wurde das in 4 Gruppen jeweils ein Sketch erarbeitet werden sollte. Das Thema dabei „Älter werden ist nichts für Feiglinge - Vom Sinn und Unsinn des Älterwerdens und Reifens“.Mit leicht hängenden Köpfen ging es an die Gruppenarbeit. Nach 30 Minuten war aber hier und da ein Lachen zu hören. Als sich alle Frauen wieder versammelten hatte jede Gruppe ihren Sketch vorbereitet. Es gab noch einen Lesebeitrag „Vom Problemchen, das ein Problem werden wollte“.

 

 

Am Abend hatten Beatrice und Jacqueline noch eine Überraschung. Damit alle Frauen etwas unaufgeregter an den Vortrag ihres Sketches am Sonntag gehen konnten, leisteten sie schon mal ihren Beitrag dazu. Sie kamen als Engel und Teufel verkleidet und bearbeiteten ein Geburtstagskind wie toll bzw. furchtbar das Älterwerden ist.

Am Sonntag ging es, nach einer kurzen Geschichte zur Einstimmung direkt zum Vortragen der Sketche.

Sensationell wie kreativ und lustig die Beiträge waren. Wir haben Tränen gelacht. Es tat gut zu sehen, wie ausgelassen und kreativ wir alternden Frauen trotz Zipperlein und ohne Alkohol sein können. Die Sketche bezogen sich auf den Besuch von Ärzten, das Thema Omahandy, nerviger Opa im Rollstuhl und die Krönung war die Geburt eines Kindes durch verkannte Gallenkolik.

Die von uns am Freitag gezogenen Spruchkarten werteten wir auch noch aus. Wir haben wiedermal viel Erfahrungen ausgetauscht und wissen das hinter jeder von uns eine persönliche mehr oder weniger schwere Geschichte steht.

Es war ein rundum gelungenes Seminar. Einen herzlichen Dank an alle Sponsoren, Organisatoren und Referenten. Wir freuen uns auf ein nächstes Mal.

Jacqueline Klieme

 

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