14. Frauenseminar vom 04.11. – 06.11.2011 in Neuschirgiswalde

Zum Thema „Angst und Sucht“ trafen sich am Freitagabend 14 angehörige und 17 betroffene Frauen aus 12 Freundeskreisen zum Seminarwochenende.

Wie in jedem Jahr war die Wiedersehensfreude bei allen Teilnehmerinnen groß. Acht Frauen waren das erste Mal dabei. Für sie war es eine große Herausforderung, viele Gedanken gingen durch ihre Köpfe, zum Beispiel: „ Was erwartet mich und wie werde ich in den Kreis aufgenommen?“ Doch das freundliche und unkomplizierte Miteinander nahm ihnen die Berührungsängste.

In der Vorstellungsrunde ging „Mimürfel“ mit unterschiedlichen Gesichtern statt Zahlen, Reih um und jede Frau konnte damit ihre momentane Stimmung ausdrücken. Mit kurzen Ausführungen stellte sich jede Einzelne vor und sprach über Befindlichkeiten und über Erwartungen zum Seminar. Schon bei diesen Darlegungen erkannte man die Dringlichkeit über Gesprächs- und Diskussionsbedarf zum Thema.

Wir erarbeiteten die unterschiedlichsten Arten von Angst und stellten fest, dass einige unserer Mitstreiterinnen tagtäglich mit der Angst zu kämpfen haben, bzw. schon professionelle Hilfe in Anspruch nahmen.

Einige Schilderungen, oft ganz persönliche Erfahrungen, ließen uns betroffen und nachdenklich werden. Doch in diesem Kreis von Frauen konnten wir gut miteinander reden, zuhören und Erfahrungen austauschen. Wie schon so oft fuhren die Emotionen Achterbahn. Man fühlte sich sicher im Kreis von Menschen, die einen verstehen. Erlebtes wurde wiedergegeben und einige schon lange Zeit mit herum getragenen Sorgen heraus gelassen. Wir konnten einander auffangen, wenn der Schmerz, die Angst oder Sorgen zu groß wurden.

Um unsere Gemüter wieder zu beruhigen und uns alle auf eine gute Nacht vorzubereiten, sangen wir gemeinsam einige Lieder und hatten viel Spaß dabei. Obwohl der offizielle Teil für diesen ersten Seminartag vorbei war, wurden die Gespräche im kleinen Rahmen in den Häusern - oft bis in den frühen Morgen - weitergeführt.

 

Das Seminar am Samstagmorgen begann mit einigen Chi Gong Übungen unter der Anleitung von Sigrid Wirth. Somit hatte jede Frau Zeit und Ruhe zu sich zu finden und sich mental auf das Thema des Tages einzustellen.

Als Einleitung erlebten wir eine Multimediashow über “ das kleine Gefühl“. Mit Bildern und Worten erfuhren wir mehr über die Gefühlswelt des Menschen und manche Frau fand sich in einigen Momenten selbst wieder. Mit Hilfe dieser wunderbaren Darstellungsweise fiel es uns nicht schwer, unsere Gefühle und Ängste zu erklären und darüber zu sprechen.

Wir versuchten die Besonderheiten und Unterschiede der Ängste bei Angehörigen und bei Betroffenen zu analysieren. Dabei stellten wir, wie schon so oft, viele Gemeinsamkeiten und auch einige gravierende Unterschiede fest. Die Diskussionsfreude der Frauen war enorm. Waren unsere Neuen am Anfang noch recht zurückhaltend, änderte sich dies im Laufe des Tages auffallend.

Nach der Mittagspause begannen wir mit der Kleingruppenarbeit. Sieben Gruppen, immer etwa die Waage Angehörige/ Betroffene und erfahrene Seminarteilnehmerinnen mit neuen Mitstreitern, zogen sich in ruhige Räumlichkeiten zurück und besprachen das Thema im kleinen Kreis. Die Aufgabe der Kleingruppen bestand darin, die Thematik Angst und Sucht in Form eines kleinen Theaterstückes oder Sketches darzustellen. Nun kann sich sicher jeder vorstellen, dass das nicht so einfach war. Bevor überhaupt jedes Team ein Konzept erstellen konnte, fanden noch einmal intensive Gespräche innerhalb der kleinen Gruppe statt. Dabei kamen viele, teils sehr private Dinge, zur Sprache und die persönlichen Kontakte wurden verstärkt.

Dann gegen 17.00 Uhr begannen unsere Aufführungen. Wie jedes Jahr wurden die zum Teil selbst gebastelten Kostüme und Requisiten ideenreich zusammengestellt. So schwierig und teils auch schmerzhaft das Thema war, die Frauen hatten sich wieder tolle Sachen einfallen lassen und wir lachten, bis die Tränen kamen. Von Darstellungen der eigenen Befindlichkeit bis hin zu hochgradig komödiantischer Leistung war alles dabei. Kleine Gesten berührten ganz besonders. Wenn Frauen, die sich bis vor Kurzem noch nicht kannten und in den Gesprächen noch oft die passivere Rolle einnahmen, sich dann bei den Rollenspielen an den Händen hielten und sich durch Händedruck Mut zusprachen.

Nach diesen anstrengenden Stunden hatten wir uns etwas Entspannung verdient. Deshalb ließen wir in der Körse-Therme unser Seelen baumeln und konnten so richtig entspannen und den Tag ausklingen lassen.

Nach einstimmenden Chi Gong Übungen begannen wir den Sonntagmorgen, unseren letzten Seminartag, mit netten Gedanken zu „ Jeder Tag ein neuer Morgen“. Trotz der Kürze des Seminars, das Thema Angst ließe sich unendlich weiter ausbauen, stimmten alle Frauen bei, dass es sehr informativ und interessant war, die Angst in Verbindung mit Sucht ausführlich zu besprechen. Die persönlichen, ganz unterschiedlichen Erfahrungen der Frauen haben uns deutlich gemacht, dass Angst in jedem Menschen steckt und dass diese gesund aber auch aggressiv sein kann. Miteinander zu sprechen hilft schon vielen Frauen. Allerdings ist die Unterstützung durch professionelle Fachleute in vielen Fällen einfach notwendig. Als Abschluss sahen wir eine Power Point Präsentation „Das kleine Gefühl und die Angst“. Berührende Worte ließen uns noch einmal nachdenklich werden.

In der Abschlussrunde sprachen sich alle Frauen dafür aus, dieses Seminar auch in den nächsten Jahren besuchen zu wollen und dankten den Verantwortlichen, dem Freundeskreis und Sponsoren für die Durchführung solcher Seminare.

Simone Krause

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