Bericht vom Frauenseminar des Landesverbandes

Das 8.Frauenseminar des Landesverbandes der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Sachsen fand vom 04./06.11.2005 in Schirgiswalde statt. Daran nahmen 38 Frauen aus 12 Freundeskreisen teil. Die Seminarleitung hatte wie auch die letzten Jahre Simone Mattukat gemeinsam mit Anett Wehner. Teilnehmerin war auch Praktikantin Katharina.

Am Freitag, nachdem jede Teilnehmerin ein Plätzchen in den schön eingerichteten Ferienhäusern gefunden hatte, trafen wir uns zum gemeinsamen Abendbrot. Was für eine Aufregung! Uwe Wolf begrüßte uns im Namen des Vorstandes des Landesverbandes und wünschte uns ein schönes erfolgreiches Wochenende. Er wollte uns das Wochenende etwas versüßen, und so erhielt jede Teilnehmerin symbolisch ein kleines Marzipanbrot.

Dann ging es los. Für die Vorstellungsrunde hatten sich unsere beiden Referentinnen wieder etwas besonderes einfallen lassen. Wie jedes Jahr gab es interessantes Thema. " Eine Frau, die auszog, das Glück zu suchen". Kann man sich damit ein ganzes Wochenende beschäftigen? Und ob.

Durch die Einladungen wurden wir aufgefordert, eine kurze Geschichte über einen Glücksmoment im Leben zu erzählen und dazu ein Symbol" des Glücksmomentes" mitzubringen. Alle konnten und hatten solche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht. Sie waren ganz unterschiedlicher Natur, und für jede einzelne hatten sie andere Bedeutungen. Wo für die Älteren die Enkelkinder "Glück" bedeuteten, standen bei anderen Frauen Familie, Partner und Freunde an erster Stelle. So bekam z.B. eine Teilnehmerin nach 25 Jahren Ehe eine zweite Liebeserklärung von ihrem Mann. Ist doch toll.

Malen, das Ausüben neuer Hobbys bedeutet für einige das große Glück.

Das Wiedererlangen der Fahrerlaubnis und einfach mit dem alten Käfer und einem Wohnanhänger durch die Lande ziehen war für eine Teilnehmerin das ganz große Glück. Sie erzählte diese Geschichte so schön, das man schon gedanklich mit im Käfer saß.

Oder nach langer Arbeitslosigkeit endlich einen 1,00 € Job gefunden zu haben. Endlich wieder gebraucht zu werden und nicht zu Hause rumsitzen zu müssen.

Manch andere war ganz einfach glücklich, wieder am Leben teilhaben zu können oder dass sie es geschafft hat, trocken zu sein.

Der Glaube half einer Teilnehmerin, mit schwierigen Situationen klar zukommen. Für sie bedeutete dies das größte Glück.

Das sind nur einige Beispiele. Alle aufzuzählen wäre unmöglich. Außerdem definierte jede einzelne das Wort "GLÜCK" anders, weil es aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen wurde.

So unterschiedlich wie die Geschichten waren auch die ausgewählten Symbole unterschiedlicher Natur. Es war ein reichhaltiges Angebot. Vom kleinen "Gottesauge" über Fotos, Ringelband, Pinsel, einem Kleeblatt mit einer 3 in der Mitte (3 Jahre trocken) oder dem "Kreuz" des Glaubens. Diese Glückssymbole wurden in der Mitte des Raumes platziert. Schöne Tücher und Kerzen rundeten das ganze Bild ab. Behütet wurden alle Symbole von der Puppe ohne Namen. Am Ende des Seminar sollte sie ihren Namen von uns erhalten.

Der erste Abend wurde durch einen gemeinsamen Tanz beendet. Er gehört schon zum Seminar dazu. Simone versuchte mit viel Geduld, uns ein paar Tanzschritte beizubringen, und es klappte ganz gut.

Entspannt gingen wir in unsere Häuser, wo es munter weiterging. An Nachtruhe war noch lange nicht zu denken. Sehr viel alte Bekannte trafen sich wieder, und auch die "Neuen" wurden mit integriert, und es wurde noch viel gelacht und gequasselt. Oft ging das Licht erst nach 24.00 Uhr aus, und nach kurzer Nacht - aber putzmunter - trafen wir uns am nächsten Tag hungrig zum Frühstück.

Gut gestärkt versuchten wir gemeinsam, eine Definition für den Begriff "Glückspilz" zu finden. Was gehört zu einem Glückspilz dazu? Gar nicht so einfach. Was macht einen Glückspilz aus? Durch was fühlt sich jeder als Glückspilz?

Bei dem einen gehören Wärme, Zufriedenheit, Gelassenheit, Zuversicht und Optimismus dazu. Eine andere erfährt es durch Bescheidenheit, Gesundheit und Hilfsbereitschaft. Im Laufe des Vormittages teilten wir uns in zwei Gruppen. So konnten wir nochmals gezielter am Begriff "Glück" arbeiten. Dabei kam es zu angeregten Gesprächen. Es wurde dabei viel gelacht und auch geweint. Manchmal hing eine nur ihren Gedanken nach. Es ging sehr, sehr fair zu und jede konnte ausreden.

Simone und Anett gaben uns noch gute literarische Tipps. Viele Bücher können sehr hilfreich sein. So ist zum Beispiel in dem Buch "Hectors Reise, oder die Suche nach dem Glück" von F. Leford ironisch und kritisch das Glück dargestellt.

Ab und zu wurden auch Sprichwörter mit in die Runde gebracht:

Ja, renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr! Denn alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher

Die Lust am Leben ist uns angeboren

Glück ist ein Maßanzug. Unglücklich sind meist die, die den Maßanzug des Anderen tragen möchten.

Viel zu schnell verging der Vormittag, und es war Zeit fürs Mittagessen. Am liebevoll gedeckten Tisch ließen wir uns das Essen schmecken.

Nach der Mittagspause ging es gestalterisch weiter. Das Ziel des Seminars war es, ein gemeinsames Puppenspiel zu erfinden und aufzuführen. Dazu wurden Puppen und Bühnendekoration liebevoll von Hand angefertigt. Irgendwelches Bastelmaterial hatte jede von zu Hause mitgebracht und das Entstandene konnte sich sehen lassen.

 

Die Stunden der Kreativität, des Bastelns und Werkelns vergingen wie im Fluge. Zeit zum Abendessen: bei so viel gestalterischem Wirken hatten wir mächtig Hunger.

Dann begann der abendlich-gemütliche Teil. Es gab wieder einige gemeinsame Tänze, die uns stets einen riesen Spaß bereiten. Nach dem "Glückstanz" ging auch dieser Tag zu Ende. Aber in den Unterkünften ging es wie am Abend vorher noch lange weiter. Es gab ja auch wieder reichlich Gesprächsstoff.

Beim Frühstück am nächsten Morgen war schon die Aufregung für die bevorstehenden Stunden zu merken. Jede Gruppe ging schon noch schnell ihr Puppenspiel durch, es sollte doch alles klappen. Gespannt waren wir wie die Kinder. Durch Anett und die Übungen zur Lockerung wurden wir mobil gemacht.

Und dann war der große Moment gekommen. Unsere Schirmherrinnen hatten eine wunderschöne kleine Bühne hergerichtet, die jetzt unser Theater war. Wie in einem richtigen Theater nahmen wir in den Stuhlreihen davor Platz. Aufgeregt saßen wir auf unseren Stühlen und warteten auf den "Kasper". Wie es sich gehört, antworteten wir brav auf seine Fragen. Das war ein Gefühl! Abwechselnd wurde uns heiß und kalt. Dann ging es los, wir waren dran. Jedes Theaterstück wurde mit einem kleinen Musikstück eingeleitet. Manchmal wurde laut gelacht, ein anderes mal war es ganz ruhig, dass man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Zustimmend wurde oft auch nur mit dem Kopf genickt.

Nach einer kurzen Kaffeepause trafen wir uns im Seminarraum zur Abschlussrunde. Wir wollten das Wochenende auswerten und uns bei unseren zwei "Seminarleiterinnen" und bei der Praktikantin Katharina bedanken. Jede Teilnehmerin erhielt ein Zertifikat und ein großes Kleeblatt aus Pappe.

Nach kurzer Überlegung sollte jeder seinen Glücksmoment von diesem Wochenende darauf verewigen. An erster Stelle stand, dass wir hier sein durften, das sehr gute und reichliche Essen, das Wiedersehen mit Freunden, das Kennenlernen neuer Freundinnen und einfach was für mich getan zu haben. Als unsere Barbara, unsere "Töpferin", jeder Teilnehmerin einen kleinen "Glückspilz" überreichte, stand vielen das Wasser in den Augen und man sah Taschentücher blitzen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen war leider die Zeit zum Abschied gekommen. Alle waren sich einig, es war ein gelungenes und erfolgreiches Wochenende. Alle Zweifel, die vielleicht am Anfang noch da waren, waren wie weggeblasen. Und fast jede möchte für nächstes Jahr eine Fahrkarte ergattern.

Im übrigen bekam unsere namenlose Puppe noch einen schönen Namen verpasst. Auch das war ein Ziel unseres Seminars. Er fiel nicht sehr originell aus, passt aber super. Lauter kleine Sommersprossen zierten ihr Gesicht und weiße Pünktchen auf dem roten Kleid ließen keinen Zweifel aufkommen:

 

 

diese Puppe ist unser "Pünktchen"