Woche für Kinder vom 08.10.2018 bis 12.10.2018 im „Querxenland“ Seifhennersdorf

Am Montag 08.10.2018 war es nun endlich wieder soweit, die Woche für Kinder aus suchtbelasteten Familien startete. Die Kinder freuten sich schon im Vorfeld sehr darauf. Sie wussten sie sehen Freunde wieder und für manchen ist dies die einzige Reise im Jahr. 16 Kinder und 8 Eltern u. Betreuer nahmen an dieser Woche teil. Am Vormittag reisten alle an und bezogen ihre Zimmer.

Im Plan für den Nachmittag stand: Schnitzeljagd.

Nach dem Mittagessen und der Begrüßung, mit Belehrung zBsp. über die eingeschränkte Nutzung der Handys, ging die Schnitzeljagd auch los.

Aber halt Kinder, so einfach ist das nicht. Zuerst wurden drei Teams gebildet und dann gab es die erste Aufgabe: die Kinder sollten sich aus Pappe Fahrzeuge basteln. Die Erwachsenen durften mithelfen. Es wurden hier erste Berührungsängste überwunden und die Teams arbeiteten sehr kreativ zusammen. Sie beklebten und bemalten ihre Fahrzeuge.

 

Dann ging es auf große Fahrt durch den Wald. Wir hatten traumhaftes sonniges Herbstwetter. Im Wald löste jedes Team für sich weitere Aufgaben. Bilderrätsel, Weitwurf, Dinge schmecken, Quizfragen lösen, Blätter zuordnen und mitten im Wald aus Kastanien und Eicheln Männlein basteln. Am Ziel angekommen gab es eine Schatzkiste, welche die Kinder aber auch erst gestalten mussten. Sie haben alle ihre Aufgaben super gemeistert. So öffnete sich die Schatzkiste dann auch. Darin befanden sich Stifte, Malbücher und Süßes von IKEA. Auch eine Urkunde erhielten alle.

 

So saßen schon am ersten Abend alle geschafft und glücklich am Abendbrottisch. Den restlichen Abend durften sich alle selbst gestalten. Im Gemeinschaftsraum wurde zBsp. ein Schokoladenwürfelspiel gespielt und herzhaft gelacht.

Am Dienstag startete der Tag mit Morgensport. Gut gestärkt ging es für die Kinder nach dem Frühstück zur Prävention. Sigrid und Ralph liesen die Kinder berichten welche Süchte sie kennen. Es war erstaunlich wie offen darüber geredet wurde. Außer Alkohol, Nikotin, Cannabis, Drogen usw. ging es auch um Ess- Brechsucht und um Mediensucht. Es tat den Kindern gut mal äußern zu können, welche Veränderungen sie durch den Konsum von Alkohol an ihren Eltern festgestellt haben. Auch der Umgang mit stark betrunkenen Personen wurde besprochen. Die Kinder bastelten dann Plakate. Auf einem dieser stand u.a. „Wodka und Rum machen dumm“. Ein paar Tage später wiederholte eines der Mädchen genau diesen Satz leise, im passenden Moment, als ein Mann mit Kinderwagen und Bierflasche in der Hand, in einen Zug einstieg. Ein gutes Gefühl für uns Betreuer, die Kinder haben was verstanden.

Es geht ja nicht nur um eine sorgenfreie, fröhliche Woche, sondern auch darum, den Kindern was mit auf den Weg zu geben. Am Nachmittag ging es dann in Ralphi‘s Kochstudio.

Aber es konnten ja nicht alle gleichzeitig dahin. Und siehe da, es kam eine Überraschung. Es tauchten 4 Biker und Nicole auf. Sie kamen von Green-Bike e.V. Alle waren etwas verwundert, was hatten die denn mit den Kindern vor? Und es war wunderbar. Da wieder wunderschönes Wetter war, bastelten die Rockertypen mit den Kindern an der frischen Luft. Ketten aus Leder, Schlüsselanhänger, Autos aus Holz und andere interessante Sachen entstanden. Dabei kamen sie intensiv ins Gespräch. Vielen Dank im Namen der Kinder für die gemeinsame Zeit und auch für die T-Shirts, welches jedes Kind bekam. Sie wurden später mit Unterschriften verziert.

Aber was passierte parallel denn nun in Ralphi’s Kochstudio? Unglaublich, hier machten die Kinder selbst Nudeln. Der Teig war schon vorbereitet. Es gab roten Teig (mit roter Bete), grünen Teig (mit Spinat) und gelben Teig. Nun wurde Teig geknetet, mehrmals durch die aufgebauten Nudelmaschinen geleiert und dann durch den Teil der Maschine, der den Teig in Nudeln teilt. Wir brauchten eine Weile bis wir den Dreh raushatten. Dazu kochte jede Gruppe eine andere Soße. Carbonara, Tomatensoße und Pilzsoße. Es machte allen viel Spaß. Am Ende saßen wir alle, einschließlich der Biker, zusammen und aßen unsere selbstgemachten Nudeln und Soßen. Es war sehr lecker und Jeder bekam auch die Rezepte dafür. Am Abend hatten alle Freizeit. Es war ein erlebnisreicher Tag.

Der Mittwoch startete mit Frühsport. Nach dem Frühstück hieß es nun Sportfest. Die Begeisterung war erst nicht so groß. Aber es war ja kein herkömmliches Schulsportfest, sondern es gab besondere Disziplinen. Hier kommt jetzt auch die Erklärung, warum manche Kinder auf Fotos einen Schnuller im Mund haben. Eine der Disziplinen war nämlich Schnullerweitspucken. Das war lustig. Von da an wollte aber niemand mehr seinen Schnuller zurückgeben. Außerdem war noch Geschicklichkeit und Kraft beim Stiefelweitwurf, Seilspringen, Dosenwerfen, Tauziehen, Sackhüpfen und Fußball gefragt. Alle strengten sich super an. Deshalb gab es für jeden im Anschluß ein Eis und zur Siegerehrung eine Medaille.

Nach dem Mittag ging es dann auf zur Sommerrodelbahn. Ach, war das eine Aufregung. Bevor es das erste Mal bergauf ging, gab es noch eine Belehrung und dann gings los. Zuerst etwas vorsichtig, dann mit etwas mehr Mut. Einer der großen Jungs wurde zurechtgewiesen, weil er mit einem der Jüngeren etwas zu viel Tempo draufhatte. Aber zu Unrecht, der kleine Peter war der Raser und Jonas flatterten die Knie. Die Zeit verging wie im Flug und als es 3h später hieß es geht wieder zurück, waren alle erstaunt das die Zeit schon um ist.

Abends wurde gegrillt, Tischtennis und Federball gespielt bis es dunkel wurde. Dann wurde es ernst. Nachtwanderung! Einigen war dabei nicht so wohl zumute. In kleinen Gruppen mit Großem Abstand wurde gestartet. Taschenlampen wurden einkassiert. Nur die Erwachsenen durften diese benutzen. Es ging durch den dunklen Wald, oh Schreck, was war das? Etwas flog aus dem Wald, mitten auf den Weg. Kreisch! Hilfe! Mut sammeln, weiterlaufen. Es war ein mit Heu gefüllter Sack. Voller Anspannung ging es weiter. Kreisch, oh nein da spritzt Wasser aus dem Wald. Uwe der Schelm hatte sich mit einer Wasserspritze im Wald versteckt. Weiter gings. Ok. Alles nicht so schlimm, auf einmal springt da eine Gruselgestalt aus dem Wald packt die Kinder und dreht sie. Das war echt grusselig.

Im Querxenland zurück wurden die Kinder aufgeklärt wer sie da erschreckt hatte. Conny, Uwe und Manuel waren extra angereist. Dann gab es noch Knüppelkuchen. Vor dem Einschlafen wurde die Nachtwanderung noch eine ganze Weile ausgewertet. Aber sie war echt gelungen.

Und auf einmal war schon Donnerstag. Natürlich begann dieser wieder fröhlich mit Frühsport. Nach dem Frühstück war basteln angesagt. Lustige Trolle aus Holz wurden geschliffen, bemalt und zusammengeklebt. Schmetterlinge und Blumen aus Holz wurden angemalt. Und verschiedene Schlüsselanhänger und Steine gestalteten die Kinder sehr kreativ.

Nach dem Mittagessen hieß es: „Pack die Badehose ein …!“ Wohin? Der Bus fuhr uns in die Körsetherme nach Kirschau. Es war ein wahres Vergnügen mit den Kindern zu toben und sie zu beobachten. Der Umgang und die Rücksichtnahme und aufeinander achten waren einfach super. Deshalb hatten sich alle ein Eis verdient. Die Kinder haben es einfach genossen unbeschwert herumzutoben. Es gab auch ein lustiges Erlebnis, beim verlassen des Bades rief eine Frau Ralph nach: „Ihr Sohn hat seinen Schnuller vergessen.“ Da drehte sich einer unserer großen Jungs um, nahm den Schnuller und steckte ihn in den Mund. Die Frau schaute sehr verdutzt. Wir mussten natürlich lachen. Gut gelaunt und ein bisschen k.o. ging es zurück.

Nach dem Abendbrot war große Party/ Disko angesagt. Unsere DJ´s, Mirco und Ralph, waren auf fast alles vorbereitet. Die Kinder tanzten die Robbe, machten die Stuhlpolonaise und hatte Spaß. Dann gab es noch eine Überraschung. Jedes Kind bekam zur Erinnerung und natürlich zur Benutzung gedacht, eine Nudelmaschine. Die Gesichter strahlten. Wieder war der Tag viel zu schnell vorbei und es ging ab ins Bett.

Freitag, 12.10.2018 heute war nun Abreisetag. Es lag eine seltsame Stimmung in der Luft. Die Woche war viel zu schnell um. Die Kinder packten ihre Sachen. Es fand noch eine Auswertung der Woche statt und es wurden Wünsche für das nächste Jahr geäußert. Die Kinder würden gern in einen Kletterwald fahren und andere Wünsche. Nach dem Mittagessen ging es dann nach Hause bzw. zur Jugendwoche. Natürlich wurden Handynummern getauscht und nochmal gedrückt. Diese Woche waren alle zusammengewachsen, verstanden sich auf eine ganz besondere Art und Weise. Diese Woche hat den Kindern wiederum gezeigt, dass sie nicht allein stehen mit ihren Problemen. Sie zeigten sich gegenseitig, dass sie liebenswerte, starke Persönlichkeiten sind.

 

Für die Betreuer Sigrid, Beatrice, Jacqueline, Ralph und Mirko und die Mitgestalter Conny/ Manuel und Uwe war es auch eine tolle Woche. Es hat sich wieder einmal gelohnt Freizeit/ Urlaub dafür zu nutzen, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen und gleichzeitig einfach Kind sein zu dürfen.

 

 

Die Durchführung dieser Woche wäre ohne die Spenden aus den Selbsthilfegruppen, weiteren Spenden und Sponsoren sowie Unterstützern nicht möglich gewesen. Im Namen der Kinder möchten wir uns herzlichst dafür bedanken und hoffen gleichzeitig auf die Fortsetzung im nächsten Jahr. Danke.

Jacqueline Klieme

 

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