Bericht vom 1.Betroffenenseminar 2019 vom 14.06.2019-16.06.2019 im Kiez Querxenland Seifhennersdorf Thema: „Der Weg der Familie in der Abstinenz“

Wie fügt sich das Familienbild wieder zusammen?Wie geht der Weg gemeinsam weiter?

Eine Familie, ja das sind zuerst mal Mutter, Vater, Kind. Auch Geschwister sind oft da, genauso Oma und Opa. Am Ende kommen die Verwandten, die Nichten, Neffen, Onkel, Tanten. Die man oft noch nicht mal kennt, geschweige denn beim Namen nennt. Doch eine Frage wird bald klar, wofür ist die Familie da? Denn oft hat man mit ihnen Streit, meist wegen einer Kleinigkeit. Oft liegt man sich dann in den Haaren, obwohl man seit so vielen Jahren zusammenlebt mit Ach und Krach unter 'nem gemeinsamen Dach.

Doch über die schlechten Sachen kann man oftmals drüber lachen. Denn es gibt auch gute Dinge, die ich nun zu Wort hier bringe. Wie zum Beispiel das Vertrauen. Denn du kannst meist darauf bauen, dass, wenn du mal traurig bist, jemand da zum Reden ist. Auch die Liebe ist sehr wichtig. Ja, mein Kind, du hörst wohl richtig, dass man nie und nirgend wann Mutterliebe ersetzen kann. Und brauchst du einen guten Rat, dann ist da wer, der einen hat. Denn bei Problemen sind sie da und helfen dir, das ist doch klar. Drum sollten stets zusammenhalten sowohl die Jungen als auch die Alten. Denn dafür ist Familie da.

Es war endlich wieder soweit, beim dies jährige Betroffenenseminar ging es um die Familie. Das Thema baute sich auf die 2 vor ran gegangenen Seminare, wo wir die beiden Seiten des Sucht-V bearbeiteten, auf. Es waren zahlreich Teilnehmer aus 7 Freundeskreisen angereist sowie Matthias und Ralph vom Landesverband der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Sachsen e.V. als Seminarleiter.

Nachdem alle ihre Zimmer bezogen hatten, starteten wir 19.00 Uhr mit der altbewährten Vorstellungsrunde durch. Dabei war erwünscht das ein jeder seine Ideen und Gedanken die er sich im Vorfeld gemacht hat, äußert. Dabei sind wir etwas vom Thema abgekommen, sind aber an einem sehr wichtigen Punkt angelangt, den wir noch den ganzen Abend erörterten – wie können wir unsere Angehörigen/ Familie motivieren, das sie sich mehr für unsere Suchterkrankung und ihre CO-Abhängigkeit interessieren? Wie können wir sie besser integrieren? Durch diese Thematik verging die Zeit wie im Fluge und es war schon spät am Abend so dass wir Schluss machen mussten um für den nächsten Tag fit zu sein.

Ausgeschlafen und gestärkt vom Frühstück ging es am Samstag um 09.00 Uhr mit unseren beiden Referentinnen Frau Ziegler und Frau Weber von der Suchtberatungsstelle der Diakonie Meißen/Radebeul mit einer kleinen Denk-und Rechenaufgabe los. Dabei hielt sich Frau Weber dezent im Hintergrund, sie wollte dieses Seminar hospitieren, es war in der Form Neuland für sie. Ihre Feuertaufe bei den Freundeskreisen sollte eine Woche später, das 2.Betroffenenseminar sein. Wir zählten die Abstinenzjahre aller anwesenden Teilnehmer zusammen und kamen auf die stolze Zahl von 217 Jahre!!!

Im Anschluss ging es an ein Rollenspiel, welches sich so bei der Mehrheit aller Alkoholkranken in der nassen Phase zugetragen haben wird. Es folgte eine Auswertung und Diskussionsrunde nach deren Ende ein weiteres Rollenspiel mit neuer Besetzung von Akteuren erfolgte, welches sich aber in der Abstinenz abspielte.Auch dieses Rollenspiel werteten wir alle gemeinsam aus und zogen Vergleiche. Alle der Anwesenden sahen sich irgendwo wieder und der eine oder andere erzählte aus seiner Vergangenheit und dem Heute und Jetzt. Dann war es schon wieder an der Zeit unsere beiden Referentinnen zu verabschieden, nicht aber ohne eine Zusage für das nächste Jahr zum Abhalten der Betroffenenseminare. Unsere Referenten verstehen es immer wieder informativ, kurzweilig und lebensnah über Themen aus der Suchterkrankung zu berichten und uns zu schulen.

Nach der Mittagspause versammelten wir uns alle im Seminarraum und teilten uns in 5 Kleingruppen auf. An Hand einiger Fragestellungen zum aktuellen Thema Familie teilten sich diese in verschiedene Räume auf. Es wurde viel diskutiert und debattiert um den Fragekomplex zu beantworten. Natürlich steht auch der Erfahrungs-und Informationsaustausch bei der Kleingruppenarbeit an erster Stelle, denn bei der Vielzahl an Charakteren gibt es ja auch jede Menge verschiedener Herangehensweisen bei der Bewältigung der Suchterkrankung.

Nach dem Abendbrot trafen wir uns alle an der Feuerschale zum Informationsaustausch mit anschließenden Gesellschaftsspielen wie z. Bsp. stille Post oder wer/was bin ich erraten. Es hat allen gefallen und keiner fühlte sich ausgekränzt.

Den Sonntag starteten wir mit einer Kurzgeschichte von einem Esel der in einen Brunnen gefallen war, welche zum Nachdenken anregte. Im Anschluss ging es an die Auswertung der Kleingruppenarbeit. Als Ergebnis sehen wir alle einhellig, das nur eine gelebte Kommunikation, das gegenseitige Einbringen und die Aufarbeitung der Suchterkrankung des Betroffenen und aller Beteiligten in der Familie zum Erfolg führen kann. Die Zeit die damals verwendet wurde beim Anschaffen und dem Konsumieren des Suchtmittels und das war viel Zeit, ist jetzt bestimmt für die Familie für Unternehmungen, Theaterbesuche, Kino u.v.m. Gemeinsam oder auch allein ein neues Hobby suchen/finden. Es sollten alle Beteiligten einer Familie glücklich und zufrieden damit leben, umgehen können. Zum Ende des Seminars gab es natürlich auch eine Feedbackrunde welche von allen sehr positiv ausfiel.

Matthias und Ralph möchten sich noch mal bei allen Teilnehmern recht herzlich für ihre Mitarbeit und Arrangement bedanken, unser Dank gilt auch dem Team vom Kiez Querxenland sowie unseren Fördermittelgebern, ohne deren Zuteilung solche Seminare nicht finanzierbar wären.

        Euer Ralph

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